Schmidinger, Helmut

Das Leben ist eben nicht einfach nur schwarz oder weiß (2008) für Orgel solo

Verlag/Label: Doblinger 02481
erschienen in: organ 2014/03 , Seite 62
Über­schaut man die ersten Seit­en des Stücks, ver­meint man zunächst, das Leben sei sehr wohl weiß, denn im Man­u­al ste­hen kein­er­lei Akzi­den­zien vor den Noten. Doch dann ent­deckt man eine Spezial­no­ta­tion: das in der linken Hand vorgeschriebene ges als einziges Vorze­ichen. Die Musik erspielt sich aus der großen Sekunde. Das ges ent­pup­pt sich dann doch mehr als ein fis im D-Dur-Auf­schwung.
Viel Bewe­gung ist in Schmidingers Musik vorhan­den, die neben großen Sekun­den auch Quar­takko­rde bespielt. Vom aus­ge­hen­den c/d im piano ent­wi­ckelt sich eine Spielfan­tasie, die im großen Tut­ti der Orgel endet. Der 1969 geborene Öster­re­ich­er schreibt im Vor­wort zur Note­naus­gabe: „Angeregt vom sprach­lichen Bild, dass das Leben als Kat­e­gorien nicht nur schwarz und weiß ken­nt, habe ich für diese Kom­po­si­tion ein Instru­ment gewählt, das neben den im wahrsten Sinn des Wortes schwarzen und weißen Möglichkeit­en auch über unzäh­lige Farb­schat­tierun­gen durch eine Vielzahl an Reg­is­tern und eine noch größere Kom­bi­na­tion­s­möglichkeit der­sel­ben ver­fügt.“ Schade, dass der Kom­pon­ist kein­er­lei Andeu­tun­gen von Regis­terangaben macht, um diese Möglichkeit­en in vernün­ftige Gren­zen zu bändi­gen.
 
Dominik Susteck