Jörg Herchet

Das geistliche Jahr3

Drei Kantaten

Verlag/Label: 2 CDs, Querstand, VKJK 1706 (2017)
erschienen in: organ 2017/04 , Seite 59

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Die drei Kan­tat­en, die hier auf zwei CDs vorgelegt wer­den, gehören zu dem Zyk­lus Das geistliche Jahr, in den Jörg Herchet seit vie­len Jahren immer wieder neue Kom­po­si­tio­nen ein­rei­ht. Für die Wort­texte, die teils auf bib­lis­che Texte und Psalmen, teils auf eine Leg­en­den­dich­tung zu­rückgehen, zeich­net Jörg Mil­bradt ver­ant­wortlich. Der Ter­mi­nus „Kan­tate“ kor­re­spondiert allerd­ings nur insofern mit sein­er musikgeschichtlichen Gat­tungs­be­deu­tung als allen drei Kom­po­si­tio­nen Wort­texte zugrun­deliegen und diese auch vor­ge­tra­gen wer­den.
In der ersten Kan­tate, zum son­ntag sep­tu­a­ges­i­mae, ist das Orgel­spiel Träger des gesamten Geschehens; die Worte wer­den, wie von Herchet dur­chaus vorge­se­hen, vom Organis­ten selb­st deklamiert und gesun­gen. Inter­pret der vor­liegen­den Auf­nahme ist Matthias Geut­ing; er musiziert an der berühmt-berüchtigten Orgel der Kun­st-Sta­tion St. Peter in Köln, die auch umfan­gre­ich über Schlag­w­erk ver­fügt; die überzeu­gende Auf­nahme wurde durch den Deutsch­land­funk Berlin real­isiert.
Die zweite Kan­tate, zur verkündi­gung mariens, ist auf wenige Worte konzen­tri­ert, wird aber von mehreren Vokalis­ten, näm­lich einem Sop­ran und einem Chor, gestal­tet. Als Instru­men­tar­i­um ist auss­chließlich Schlag­w­erk vorge­se­hen. In ihrer dre­it­eili­gen Anlage zielt die Kom­po­si­tion auf eine musikalis­che Hin­wen­dung zum Vokalen, das vom Sum­men bis hin zum Sin­gen reicht. Im Instru­men­tal­part ist der Ver­lauf jedoch nicht prozes­su­al, vielmehr ertö­nen Klänge und Geräusche oft­mals wie vere­inzelt oder nur zufäl­lig in Kor­re­spon­denz miteinan­der tre­tend. Die von Hart­mut Liss­ner besorgte Auf­nahme erzeugt für all dies eine trans­par­ente Raumwirkung und ver­mit­telt den Ein­druck, einzel­nen Klan­gereignis­sen nach­horchen zu kön­nen.
Anders als die bei­den ersten erin­nert die dritte Kan­tate, zum fest unser­er lieben frau von guadalupe, eher an Muster der Gat­tungstra­di­tion; ihrem Umfang entsprechend füllt sie die gesamte zweite CD. Erzählt wird die Leg­ende von der Schutz­pa­tron­in Mexikos, der Jungfrau Maria in Gestalt eines Indiomäd­chens. Dabei sind für die Textpas­sagen wech­sel­weise vier Sprachen ver­wen­det: eine mexikanis­che Ursprache (Nahu­atl) sowie Spanisch, Latein und Deutsch. Die u. a. dem Erzbischof von Puebla gewid­mete Kom­po­si­tion nutzt pit­toreske Mit­tel, die die mexikanis­che Umge­bung schildern, eben­so wie kirchen­musikalis­che Muster wie Hym­nus und Rez­i­ta­tion.
Einge­set­zt sind fünf Vokalsolis­ten, Kinder­chor und einzelne Mäd­chen­stim­men, Män­ner- und Gemein­de­chor, Orgel, Schlag­w­erk und ver­schiedene weit­ere Instru­mente. Die Leitung der Ensem­bles oblag Christ­fried Brödel. Auch hier zeich­net Hart­mut Liss­ner für die Auf­nahme ver­ant­wortlich, die sich durch aus­ge­wo­gene Laut­stärke­pro­por­tio­nen zwis­chen Vokal- und Instru­men­tal­par­tien ausze­ich­net und auch eine plas­tis­che Rau­makustik ab­bildet.
Im umfan­gre­ichen 36-seit­i­gen Book­let wer­den hil­fre­iche Texte zur Musik gegeben: Ein­führung­s­texte von Jörg Mil­bradt zum Zyk­lus Das geistliche Jahr und von Christ­fried Brödel zu den drei einge­spiel­ten Kan­tat­en, die ver­ton­ten Texte samt Beset­zungsangaben, Hin­weise zu den Kün­stlern und Ensem­bles sowie zur Orgel der Kun­st­sta­tion St. Peter Köln.

Daniela Philip­pi