Dancing Organ

Michael Bártek an der Kuhn-Orgel der Reformierten Kirche Richterswil, Schweiz

Verlag/Label: Aeolus AE-11461(2025)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2025/04 , Seite 60

Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Johann Sebastian Bach, Margaretha Christina de Jong, Guy Bovet, Gabriel Fauré, Franz Liszt, Camille Saint-Saëns, Manuel de Falla, Maurice Ravel, Bob Chilcott, Andreas Willscher und Naji Hakim

Bewertung: 4 von 5 Orgelpfeifen

Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Johann Sebastian Bach, Margaretha Christina de Jong, Guy Bovet, Gabriel Fauré, Franz Liszt, Camille Saint-Saëns, Manuel de Falla, Maurice Ravel, Bob Chilcott, Andreas Willscher und Naji Hakim

Ein Programm voller Exotismen, sprühender Vitalität, nie versiegender Lebensfreude und überbordender Kraft: Michael Bártek lässt die Orgel tanzen, jubeln, entflammt knisterndes Feuer, lässt mit ihr mal profane, mal sakrale Riten feiern. Dies alles steckt in den nicht weniger als 16 Titeln, die Bártek auf seiner CD-Produktion versammelt – eine Melange, die Musik aus der Barockzeit, der Romantik und des 20. Jahrhunderts unter einen programmatischen Bogen spannt: Dan­cing Organ.
Gut siebzig Minuten Pfeifenklänge voller endloser Tonrepetitionen, hämmernder Akkorde, nahtlos aneinander gereihter Triller – nur dass sie hier in wirklich jedem Augenblick passen und quasi die Essenz des musikalischen Geschehens sind. Exemplarisch ablesbar ist dies an Manuel de Falla und dessen Danse rituelle du Feu (aus dem Ballett El amor brujo), auch am archa­isch anmutenden Danse Bacchanale aus Camille Saint-Saëns’ Oper Samson et Dalila.
Tänze auf der Orgel sind erst einmal nichts Exzeptionelles. Es gab sie schon immer, bei Jan Pieterszoon Sweelinck (Ballo del Granduca) nicht weniger als bei J. S. Bach (Fuga alla Giga). Michael Bártek weitet aber den Horizont aus der Sicht eines Organisten angesichts des ihm zur Verfügung stehenden Instruments. Bearbeitungen bereichern das Repertoire, etwa um Franz Liszts Première Valse Oubliée oder Maurice Ravels Pavane pour une infante défunte. Dies gilt auch für Originalkompositionen wie die Trois Préludes Hambourgeois von Guy Bovet, aus denen Bártek Salamanca und Hamburg präsentiert – unglaublich originell gemacht und garniert mit dem für Bovet typischen spitzbübischen Augenzwinkern. Geradezu genial ist Bovets Mimikry an Mozart, indem er Maurice Ravels weltberühmten Boléro als melodischen wie rhythmischen Baustein verwendet, um daraus eine anspielungsreiche Mozart-Galanterie zu machen. Herrlich!
Michael Bártek spielt mit einem in jedem Moment untrüglichen Gefühl für den je eigenen Schwung all der verschiedenen Kompositionen und mit brillantem spieltechnischen Zugriff. Als idealer Partner erweist sich auch sein „Hausinstrument“, die Kuhn-Orgel in der Reformierten Kirche Richterswil am Zürichsee (1971/2018, III/42). Ein französisch geprägtes Schwellwerk, ausgesprochen schöne Einzelstimmen (Flöten, Streicher, Zungen) und silbrig glänzende Mixturen liefern die Basis für Bob Chilcotts Sun Dance, erst recht für die Trois Danses Basques von Naji Hakim. Sie changieren zwischen Rastlosigkeit und sanfter Melancholie, immer geprägt von urwüchsigen Rhythmen – spannend und erfrischend!

Christoph Schulte im Walde

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