Spangemacher, Friedrich

Creator, Spiritus, Musicus: Theo Brandmüller

Eine Biographie

Verlag/Label: Pfau, Saarbrücken 2013, 188 Seiten, 18 Euro
erschienen in: organ 2014/01 , Seite 60

Am 26. Novem­ber 2012 ist der Kom­pon­ist und Organ­ist Theo Brand­müller im Alter von 64 Jahren gestor­ben. Die vor­liegende Biografie hat­te er kurz vor seinem Tod noch lesen kön­nen. Laut Angabe des Autors war auch Brand­müller der­jenige, der den Wun­sch nach ein­er Biografie äußerte. Friedrich Spangemach­ers Buch ist eine kluge Mis­chung aus Sach­in­for­ma­tion und per­sön­lich­er Rückschau. So schildert es die frühen Jahre in Mainz oder später etwa die prä­gende Begeg­nung mit Olivi­er Mes­si­aen in Paris. Werk und Biografie sind lock­er ineinan­der ver­woben.
Es sollte mehr solch­er Büch­er geben, die weniger das Augen­merk auf wis­senschaftlich genaue Betra­ch­tung leg­en, son­dern stattdessen orig­inäre Ein­blicke in das Leben eines außergewöhn­lichen Organ­is­ten, Kom­pon­is­ten und Hochschullehrers ver­schaf­fen. Automa­tisch ist dieses Buch Zeit­geschichte. So zeigt ein Foto den jun­gen Brand­müller an der Orgel von St. Johannes Evan­ge­list in Mainz 1962 – deut­lich ist der „his­torische“ Spieltisch zu erken­nen. Die frühe Verzah­nung von Impro­vi­sa­tion und Kom­po­si­tion in sein­er Rolle als Organ­ist und Kom­pon­ist wird sin­n­fäl­lig. „Bei Theo Brand­müller spürte ich die Energie eines Kom­pon­is­ten, der sich mit der Echt-Zeit arrang­iert. Der erken­nt, dass Impro­vi­sa­tion gle­ich Kom­po­si­tion minus Zeit ist. […] Seine Impro­vi­sa­tio­nen auf der Orgel sind meilen­weit von dem ent­fer­nt, was in Organ­is­tenkreisen als litur­gis­ches Orgel­spiel beze­ich­net wird“, wird Jörg Abbing im Buch zitiert.
Der Wun­sch nach eigen­er kom­pos­i­torisch­er Gestal­tung erwacht bei Brand­müller früh. Die Sta­tio­nen bei seinen Lehrern wer­den nachgeze­ich­net: Die katholis­che Prä­gung des Eltern­haus­es scheint für Brand­müller kein Wider­spruch zu kom­pro­miss­los­er kom­pos­i­torisch­er Ent­wicklung gewe­sen zu sein, die sich an den Hochschulen in Det­mold und Köln bei den Lehrern Gisel­her Klebe und Mauri­cio Kagel fort­set­zte. Ein Höhep­unkt des Studi­ums war die Begeg­nung mit dem geis­tesverwandten Kom­pon­is­ten und Organ­is­ten Olivi­er Mes­si­aen in Paris. Anders als Mes­si­aen blieb Theo Brand­müller jedoch nicht bei katholis­chen The­men, son­dern öffnet sich weltlich­er Dich­tung.
Sein Durch­bruch 1977 in Athen mit der Kom­po­si­tion Ach trau­riger Mond für Schlagzeug und Stre­ich­er behan­delt ein Gedicht von Fed­eri­co Gar­cía Lor­ca. Sein meist­ge­spieltes Werk ist Todesszene, Klagege­sang und Requiem zugle­ich. Im Nachruf auf Brand­müller in der Saar­brück­er Zeitung heißt es: „Dass der Tod jemand mit­ten aus dem Leben reißt: Man liest es oft, sagt es, floskel­haft, weil einem die Worte fehlen, wenn der Tod schein­bar plöt­zlich nach jeman­dem greift. Aber bei Theo Brand­müller war es nun genau so. So viele Konz­ert­ter­mine für den wel­treisenden Organ­is­ten standen bere­its fest, so viel hat­te er noch zu kom­ponieren.“

Dominik Susteck