Nowowiejski, Felix

Concertos for Solo Organ, Vol. 1

Einzug in den Dom, Marche festive op. 8/3 / Concert pour orgue op. 56/1 / Pièces pour orgue op. 9 / Concert pour orgue op. 56/2

Verlag/Label: Dabringhaus und Grimm MDG 317 1591-2 (2009)
erschienen in: organ 2011/02 , Seite 54

4 Pfeifen

Der Abstam­mung nach war der 1877 in Bar­czewo (Warten­burg) geborene Felix Nowowiejs­ki Pole, aber eher möchte man ihn über­greifend als europäis­chen Kom­pon­is­ten beze­ich­nen. Wenn Nowowiejs­ki sich in späteren Jahren auch als pol­nis­ch­er Patri­ot fühlte, so war er ander­er­seits kul­turell stark deutsch geprägt, beson­ders was die Musik bet­rifft, deren Studi­um ihn nach Berlin führte. Doch noch ein weit­er­er Ein­fluss prägte den Stil sein­er Orgel­w­erke entschei­dend. Als Meyer­beer-Stipen­di­at aus Berlin nach Paris geschickt, ent­deck­te Nowowiejs­ki dort die Klang­welt der franzö­sis­chen Orgelsin­fonik für sich und fol­gte in seinem eige­nen Schaf­fen deut­lich den Vor­bildern Widors und Viernes.
Bis vor gut zehn Jahren dürfte der Name des pol­nis­chen Kom­pon­is­ten speziell Fre­un­den der Orgel­musik, wenig gesagt haben. Das hat sich geän­dert, seit der mit der Orgel­land­schaft Polens ver­traute Rudolf Innig sich Nowowiejskis Schaf­fen angenom­men und erste Auf­nah­men vorgelegt hat. Ein­er Gesamtein­spielung von dessen neun Orgelsin­fonien und ein­er wei­teren CD mit diversen Orgelstü­cken fol­gt nun eine dritte Veröf­fentlichung, in deren Zen­trum die bei­den ersten der vier Konz­erte für Orgel solo op. 56 ste­hen.
Innigs bish­er vorgelegte Nowowiejs­ki-Inter­pre­ta­tio­nen fan­den ein zus­tim­mendes bis begeis­tertes Echo in der Fach­presse, und auf gle­ich­er Höhe hält sich die Fort­set­zung seines Edi­tion­spro­jek­ts. Zum tech­nis­chen und gestal­ter­ischen Ver­mö­gen Innigs kommt hinzu, dass ihm mit der Sauer-Orgel des Bre­mer Doms ein passendes Instru­ment für die Darstel­lung von Nowowiejskis spät­romantisch geprägter, nur sel­ten ein­mal auch mod­ernere Schreib­wei­sen ein­beziehende Musik zur Ver­fü­gung ste­ht. Das mit 113 Regis­tern auf vier Man­ualen (davon zwei Schwell­w­erken) aus­ges­tat­tete Instru­ment bietet eine umfan­gre­iche Palette an orches­tralen Klang­far­ben, und so kann Innigs Spiel eine über­wälti­gende Fülle bei den großen Klan­gaufgipfelun­gen der Par­ti­turen entwick­eln, aber auch auf ein dif­feren­ziertes Ange­bot charak­ter­is­tis­ch­er Solostim­men zurück­greifen, um die recht genauen Reg­is­ter- und Man­u­alverteilungsvorschriften des Kom­pon­is­ten adäquat zu real­isieren.
Abgerun­det wird Innigs Werkauswahl auf der vor­liegen­den CD durch einige kleinere Orgelkom­po­si­tio­nen Nowowiejskis, die wohl aus konkreten Anlässen ent­standen und für den litur­gis­chen Gebrauch bes­timmt sind: fan­tasievolle Bear­beitun­gen gre­go­ri­an­is­chen Melodieguts oder von in Deutsch­land unbekan­nten pol­nis­chen Kirchen­liedern. Es wäre gut denkbar, dass die vor­liegende Ein­spielung den einen oder anderen Organ­is­ten dazu ani­miert, auf solche Stücke des pol­nis­chen Kom­pon­is­ten für die gottes­di­en­stliche Prax­is zurück­zu­greifen. Das wäre ganz im Sinne Innigs, der seinen Ein­satz für den bis dato wenig bekan­nten pol­nis­chen Kom­pon­is­ten als „Anfang ein­er hof­fentlich weit­eren Ver­bre­itung“ von dessen Werken sieht.
Ger­hard Dietel