Vivaldi, Antonio

Concerto

Transkription für Orgel von Jean Guillou op. 26/9

Verlag/Label: Schott Music, ED 21653
erschienen in: organ 2014/03 , Seite 58
Bei der orig­i­nalen Vor­lage der zweit­en Tran­skription von Jean Guil­lou han­delt es sich um Vivald­is Con­cer­to in d-Moll für Vio­lon­cel­lo, Stre­ich­er und Bas­so con­tin­uo. Die Bear­beitung soll fern ein­er his­torisieren­den Tran­skrip­tion das „expres­sive Poten­zial“ ein­er mod­er­nen dreiman­u­ali­gen Orgel auss­chöpfen. Der Part des konz­ertieren­den Cel­los wird in der Orgel­bear­beitung von der linken Hand über­nom­men; für die Reg­istrierung wird hier­für vom Bear­beit­er im ers­ten Satz „Cro­morne 8’, Lar­ig­ot 1 1/3’, Flute 4’“ und im drit­ten Satz „Trompette 8’, Tierce 1 3/5’, Lar­ig­ot 1 1/3’“ vorgeschla­gen. Gele­gentlich wird der Solopart auch fig­u­ra­tiv bere­ichert, und am Ende des ersten Satzes („Al­legro non mol­to“) gibt es zwei kurze, qua­si impro­visierte Ein­schübe, die durch kleine Abwand­lun­gen des Vi­valdi’­schen Noten­textes möglich sind. Ganz in der Stilis­tik der barock­en Fort­spin­nung führt Guil­lou hier­bei die wirkungsvollen Sprünge und Zweiund­dreißig­s­tel-Ton­leit­ern schließlich über den Neapoli­tanis­chen Sext­akkord und die Dom­i­nante zurück zum ersten Tut­ti-Ritor­nell. In den Ritor­nellen wer­den die gebroch­enen Sechzehn­tel-Akko­rd­fig­uren der Vio­li­nen von der recht­en Hand nachge­bildet und um wirkungsvolle auf- und absteigende Skalen in der linken Hand bere­ichert. Die Begleitung der Soloteile wird, soweit sie nicht notiert ist, ergänzt. 
Beson­ders im drit­ten Satz, einem vital­en „Min­uet“, ent­fal­ten die einkom­ponierten Begleit­stim­men ein beachtlich­es kon­tra­punk­tis­ches und melodis­ches Eigen­leben. Im zweit­en Satz „Andante“ set­zt der Bear­beit­er das ein­lei­t­ende Rip­ieno in Da-capo-Manier zusät­zlich an den Schluss. Anstatt der pulsieren­den Achtel­be­we­gung des Bass­es erklingt im Ped­al das vari­ierte Haupt­mo­tiv. Eine Erweiterung erfährt der Soloteil: Statt der Dom­i­nante D-Dur schafft sich der Satz mit einen f-Moll-Akko­rd zusät­zlichen Raum, um nach und nach auf fan­tasievolle Weise wieder zur Toni­ka g-Moll zurück­zukehren.
 
Jür­gen Geiger