Concerto festivo

25 Jahre Stuttgarter Barock-Collegium. Werke von Albinoni, Rathgeber, Aldrovandini, J. S. Bach, Brahms, Telemann, Dvorák, Raiser, Manfredini

Verlag/Label: Organum Ogm 111010 (2010)
erschienen in: organ 2012/02 , Seite 51

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Eck­hard Schmidt und Rudi Scheck (bei­de Trompete bzw. Corno di cac­cia), sowie Chris­t­ian-Markus Rais­er (Orgel) sind viel beschäftigte Musik­er, die jew­eils für sich an ver­schiede­nen Konz­ert­stät­ten weltweit auftreten, sich jedoch auch bei Gele­gen­heit unter dem Namen „Stuttgarter Barock-Col­legium“ zu­sammenfinden, um vor allem Musik aus der Barockzeit aufzuführen. Die Crux ist jedoch, dass dabei die meis­ten Werke für ihre Beset­zung erst tran­skri­biert wer­den müssen.
Das Stuttgarter Ensem­ble hat zu seinem 25-jähri­gen Beste­hen eine CD einge­spielt, auf der neben Barock-Werken jedoch auch Stücke aus der Roman­tik und der Gegen­wart zu hören sind. Was nun an Con­cer­ti oder Sonat­en der Zeitgenossen J. S. Bachs auf dem einge­spiel­ten Pro­gramm ste­ht, ist, von der Beset­zung her gese­hen, schw­er ver­dauliche Kost. Es ist allen­thal­ben bekan­nt, dass die Solostim­men in den Kom­po­si­tio­nen von Toma­so Albi­noni, Valentin Rathge­ber, Giuseppe Aldrovan­di­ni, Georg Philipp Tele­mann oder Francesco Man­fre­di­ni auch von Trompe­ten oder anderen geeigneten Instru­menten über­nom­men wer­den kön­nen. In dieser geball­ten Zusam­men­stel­lung und in dieser teils harten Ton­schärfe ermüdet das Ohr jedoch schnell. Das Inter­esse lässt etwa bei den schlicht im Terzen­ab­stand geführten Stim­men bei­der Blechin­stru­mente sehr schnell nach. Man wird an das Bon­mot erin­nert: „Vival­di hat ein Con­cer­to grosso geschrieben, das aber fünfhun­dert Mal.“
Ger­adezu trau­rig wird es bei den bei­den Kan­taten­stück­en von Bach. An den Arien „Wir eilen mit schwachen, doch emsi­gen Schrit­ten“ und „Schafe kön­nen sich­er wei­den“ klebt zuviel Erden­schwere. Das „Largo“ aus der Sin­fonie Nr. 9 von Dvor?ák, hier mit Orgel, Trompete und Corno di cac­cia, ist auf dieser Ein­spielung fehl am Platze, Präludi­um und Fuge g-Moll WoO 10 von Johannes Brahms für die Orgel allein wohl eben­so.
Über­sät­tigt von den vie­len stimm­lichen Par­al­lelführun­gen im Konz­ert für zwei Trompe­ten und Orgel von Man­fre­di­ni am Schluss der CD fragt man sich verge­blich nach dem roten Faden des Pro­gramms. Hinzu kommt, dass von der Müh­l­eisen-Orgel der Pfar­rkirche St. Johannes der Täufer in Leon­berg, die nicht nur in den Reg­is­ter­na­men, son­dern auch von der Into­na­tion her zahlre­iche franzö­sisch inspiri­erte Stim­men enthält, lei­der so wenig reizvolle Klang­far­ben zur Gel­tung kom­men. Vom „fes­tlichen Glanz“, von dem im Mot­to dieser CD die Rede ist, hört und spürt man lei­der sehr wenig.

Chris­t­ian Ekows­ki