Heller, Barbara (*1936)

Choral für Elke Mascha Blankenburg für Klarinette in B und Orgel

hg. von Irith Gabriely

Verlag/Label: Schott Music KLB 99
erschienen in: organ 2016/02 , Seite 63

Die kräfti­gen Akko­rd­schläge, mit denen Bar­bara Heller ihren Choral begin­nt, sind aneinan­derg­erei­hte har­monis­che Akko­rd­fol­gen. Eine Kadenz aus E-Dur, e-Moll, a-Moll und e-Moll will den ersten Abschnitt nach­drück­lich been­den.
Die hinzuge­fügte Klar­inet­ten­stimme wirkt het­ero­gen zum Orgel­part. Sie ist nicht von Heller geschrieben, son­dern von der Klar­inet­tistin Irith Gabriely hinzuge­fügt. Die Noten­werte sind kle­ingliedriger als die der sta­tisch schla­gen­den Orgel. Auskom­ponierte Verzierun­gen, Arpeg­gien und Ton­leit­er­ab­schnitte sind flex­i­bel gestal­tet. Die Klar­inette soll den Vor­beter beim jüdis­chen Totenge­bet darstellen und ist damit wendi­ger aus­ge­führt als die Orgel­stimme.
Die Pas­sage „schlank“ führt zu ein­er merk­würdig leeren Sequenz aus A-Dur, d-Moll, C-Dur, F-Dur und driftet später in as-Moll und b-Moll ab, um über­raschend ins d-Moll zurück­zuschwap­pen. Die Orgel übern­immt den Part der Sy­nagogalgemeinde, was man durch die etwas unhan­dlichen Klangset­zun­gen gut nachvol­lziehen kann. Schon Erik Satie hat ähn­liche mit Oktav- und Quint­par­al­le­len gefüllte Block­sätze aufgeschrieben. Oft­mals spielt ein iro­nis­ch­er Unter­ton bei ihm eine Rolle. Die sta­tis­chen Sätze bei Heller sollen im Charak­ter des christlich-jüdis­chen Liedge­bets dage­gen mit einem ern­sten Duk­tus gespielt wer­den.
Die Melodik bleibt zunächst auf die Klar­inet­ten­stimme beschränkt, bevor die Orgel einige liedähn-
liche Abschnitte spie­len „darf“, die den blockar­ti­gen Ges­tus auflock­ern. Die Kadenz der Klar­inette gegen Ende kann auch durch eine freie, impro­visierte Kadenz erset­zt wer­den. Es ver­ste­ht sich von selb­st, dass die Reg­istri­er­vorschläge von Sir­ka Schwartz-Uppen­dieck für die Aufer­ste­hungskirche Fürth in Bay­ern an die jew­eilige Orgel angepasst wer­den müssen. Die Urauf­führung erfol­gte 2013 in Michel­stadt mit dem Organ­is­ten Hans-Joachim Du­meier und der Her­aus­ge­berin.

Dominik Susteck