Muffat, Gottlieb

Capriccios und Preludes für Orgel (Cembalo)

Erstdruck, hg. von Erich Benedikt

Verlag/Label: Doblinger Diletto Musicale, DM 1438
erschienen in: organ 2014/01 , Seite 62

Es berührt dur­chaus sym­pa­thisch, dass sich Her­aus­ge­ber und Ver­lag mit Got­tlieb Muf­fat einem Wiener Hofor­gan­is­ten wid­men, dessen Tas­tenmusik bis­lang nur teil­weise veröf­fentlicht war.
Die Capric­cios entstam­men größ­tenteils der Bib­lio­thek des Wiener Minoritenkon­vents; die bei­den mehrsätzi­gen Pas­torellen sind in ein­er Hand­schrift der Berlin­er Sin­gakademie enthal­ten, die 2002 in der Ukraine aufge­fun­den wurde. Im Band mit den Pas­torellen sind weit­er­hin bere­its bekan­nte Pas­toral­sätze aus den 72 Ver­setln enthal­ten und eine Bear­beitung ein­er Pas­torel­la für Stre­ich­er als Orgeltrio.
Die Aus­gabe ist tadel­los, wie man es von dem renom­mierten Ver­lagshaus gewohnt ist, und entspricht mod­er­nen Stan­dards. Druck und Papierqual­ität lassen nichts zu wün­schen übrig. Dem knap­pen – nichts­destotrotz infor­ma­tiv­en – Vor­wort ist eine Verzierungsta­belle beigegeben, den Capric­cios auch ein kri­tis­ch­er Bericht.
Was allerd­ings die Musik selb­st bet­rifft, bleibt Got­tlieb Muf­fat qual­i­ta­tiv deut­lich hin­ter seinem Vater Georg zurück. Mehrere der Capric­cios und Pre­ludes erweck­en den Ein­druck aufgeschrieben­er Impro­vi­sa­tio­nen, einem akko­rdisch notierten Arpeg­gian­do-Abschnitt fol­gen einige Ton­leit­ern oder Sequen­zen nach üblichem spät­barock­em Mus­ter. Viele der Sätzchen kom­men nicht über den Umfang ein­er Seite hin­aus. Ähn­lich schwach präsen­tieren sich die Pas­torellen. Der pas­torale Charak­ter wird vor allem durch die exzes­sive Anwen­dung von Dreik­langsmelodik, durch naive Wieder­hol­un­gen und schlichte Sequen­zierun­gen her­vorgerufen. Den oft als typ­isch emp­fun­de­nen Dreier­takt ver­wen­det Muf­fat nur aus­nahm­sweise. Auch hier find­en sich rhyth­mis­che Monot­o­nie und ein star­res Fes­thal­ten an einem ein­mal gefun­de­nen Bewe­gungsmuster. Um es auf den Punkt zu brin­gen: Dieser Musik fehlt in weit­en Teilen schlichtweg die Idee, die Inspiration.
Ohne Zweifel wird das eine oder andere sub­stanziellere und län­gere Stück an ein­er wohlk­lin­gen­den his­torischen Orgel und unter den Hän­den eines geistvollen Spiel­ers einen gewis­sen Reiz erlan­gen, unbe­d­ingt ken­nen muss man die Werke wohl nicht.

Axel Wilberg