B B B – Buxtehude / Böhm / Bach

Verlag/Label: KP000022131 (2012)
erschienen in: organ 2013/01 , Seite 54

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Die Orgel der Pfar­rkirche im slowenis­chen Veleso­vo wurde 2007 als Opus 14 von der tschechis­chen Orgel­bauw­erk­statt Moc?nik errichtet. Als Vor­bilder dien­ten hier offen­bar mit­teldeutsche Instru­mente aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhun­derts. So ver­fügt das mit 37 Reg­is­tern opu­lent disponierte zweiman­u­alige Instru­ment über einen üppi­gen Grund­stim­men­fun­dus, ein 32’-Pedal und charak­ter­is­tis­che Solo­far­ben. Das Plenum erin­nert unüber­hör­bar an den frischen, leicht schar­fen Klang der Orgeln Got­tfried Sil­ber­manns. In jedem Fall pos­i­tiv zu ver­merken ist, dass ein solch kon­se­quent his­torisch ori­en­tiertes, qual­i­ta­tiv hochw­er­tiges Instru­ment in Slowe­nien, einem nicht unbe­d­ingt über­re­ich­lich mit her­aus­ra­gen­den Orgel­neubaut­en geseg­neten Land, entste­hen kon­nte.
Die CD ist als eine Eigen­pro­duk­tion/-edi­tion der Erbauer­w­erk­statt als Demon­stra­tion der viel­seit­i­gen Eig­nung des Instru­ments für deutsche Orgel­musik des 17. und 18. Jahrhun­derts real­isiert wor­den. Ob nun ger­ade der Nord­deutsche Diet­rich Bux­te­hude die erste – respek­tive geschick­teste – Wahl für eine Orgel dergestal­ter Konzep­tion ist, mag zunächst ein­mal dahin­ste­hen, darstell­bar ist seine Musik hier immer­hin zufrieden­stel­lend. Einge­spielt wur­den Präludi­um fis, die „kleine“ Toc­ca­ta F und die Pas­sacaglia. Von Georg Böhm, dem Lüneb­urg­er Lehrmeis­ter Johann Sebas­tian Bachs, ist dessen Par­ti­ta Ach wie nichtig zu hören. Der größte Teil des Pro­gramms ist – passend zur Deklar­ierung des Instru­ments als „Bach-Orgel“ – dem großen Thomaskan­tor gewid­met, der sein­er­seits mit den BWV 552, 541 und den „Schübler-Chorälen“ vertreten ist.
Pavel Kohout zeigt sich ein­mal mehr als ver­siert­er und stil­sicher­er Inter­pret barock­er Orgel­musik. Die eher mäßi­gen Tem­pi tra­gen ander­er­seits zur Deut­lichkeit bei. Verzierun­gen sind eher sparsam, dafür aber geschmack­voll ange­bracht. Bei dem durch­weg pos­i­tiv­en Ein­druck hält die CD bei aller ansprechen­den Musikalität keine großen Über­raschun­gen für den Hör­er bere­it. Gewiss, das alles ist ohne Zweifel erstk­las­sige Musik, die sich kaum abnutzt und nicht alt wird. Das eine oder andere unkon­ven­tionelle „Schmankerl“ wäre hier jedoch nicht deplatziert gewe­sen.
Ver­stärkt wird dieser ins­ge­samt etwas allzu rou­tinierte Ein­druck noch dadurch, dass über weite Stre­cken stets Ple­na in ver­schiede­nen Vari­anten und Abstu­fun­gen zu hören sind. Auch Bux­te­hudes Pas­sacaglia wird bis zu einem kleinen Plenum aufreg­istri­ert, und Böhms Vari­a­tio­nen enthal­ten ihrer­seits entsprechende Reg­istrierun­gen. Gerne hätte man bei ein­er CD, die doch als Demon­stra­tion eines lohnen­den Instru­ments gedacht ist, noch mehr Einzel­far­ben und inter­es­sante Reg­is­terkom­bi­na­tio­nen gehört.

Axel Wilberg