Schneider, Enjott

African Patchwork für Orgel und Djembé

In memoriam Albert Schweitzer

Verlag/Label: Schott Music ED 21680
erschienen in: organ 2013/04 , Seite 63

Gle­ich zwei beacht­enswerte Kom­po­si­tio­nen ent­standen im Zusam­men­hang mit den europaweit über 170 Konz­erten anlässlich „100 Jahre Tropen­klinik Lambarene/Gabun“, die im laufend­en Jubiläum­s­jahr bere­its etliche Auf­führun­gen nach sich gezo­gen haben. Sie bieten einen reizvollen weit­eren Aspekt zum The­ma „Albert Schweitzer und die Musik“.

Réflex­ion et lumière hat der Münch­en­er Kom­pon­ist Robert Helm­schrott, früher­er Präsi­dent der Musikhochschule München, als Hom­mage à Albert Schweitzer dem Andenken des musik­lieben­den Frieden­sno­bel­preisträgers gewid­met. Das Stück bezieht sich auf die vielfälti­gen Zusam­men­hänge geistiger Ver­net­zung im Denken von Albert Schweitzer und hat den Komponis­ten zu einem Pro­gramm ver­an­lasst, das sich – mit seinen eige­nen Worten – als „Wo das Licht im Men­schen ist, scheint es aus ihm he­raus“ beschreiben lässt. Das modale Ton­ma­te­r­i­al und das Jonglieren mit Ton­girlan­den im hohen Diskantspek­trum der Man­uale sug­gerieren eine gewisse Nähe zu Olivi­er Mes­si­aen. Qua­si aleatorische Sequen­zen laden den Spiel­er zu eigen­er Gestal­tung ein. Rhyth­mis­che Bele­bung und vir­tu­os­es Pas­sagen­werk führen das Werk in den finalen, strahlen­den Dur-Klang mit hinzuge­fügter Quarte. Der Kom­pon­ist lädt den Inter­pre­ten zu ein­er „Musik von stiller, zarter, nach­den­klich­er Tongestalt zu fro­hem, heit­erem, pos­i­tivem Klanggeschehen“. Spir­ituelle Orgel­musik von reizvollem Dialogcharak­ter liegt hier vor.

Enjott Schnei­der, seit 1996 eben­falls an der Münch­n­er Hochschule als Pro­fes­sor für Kom­po­si­tion für Film und Fernse­hen tätig, schrieb African Patch­work im August 2012 (Urauf­führung am 11. Mai 2013 in Berlin). Der Kom­pon­ist möchte einen gewis­ser­maßen als „Ide­al“ mitgedacht­en Orgelk­lang auf ein­er dreiman­u­ali­gen Orgel mit reich­er Auswahl an labi­alen 8-Fuß-Reg­is­tern real­isiert wis­sen, damit ein typ­is­ch­er „Albert Schweitzer-Klang“ entste­hen kann: leicht roman­tisch tim­bri­ert, mit weichen Prinzi­palen (allerd­ings ganz gegen das von Schweitzer favorisierte Sil­ber­mann-Ide­al!) und Stre­ich­er­stim­men unter Reduzierung von Mix­turen und Zun­gen. Der somit erzeugte dun­kle Grund­klang wird kon­trastiert durch die ober­ton­re­iche und mod­u­la­tions­fähige Djem­bé, bekan­nteste der afrikanis­chen Trom­meln. Dem Perkus­sion­is­ten wird anheimgestellt, den nur rudi­men­tär notierten Schlagzeug­part mit impro­visatorischen Tech­niken nach eigen­em Gus­to auszugestal­ten. Die spiel­tech­nis­chen Anforderun­gen an den Organ­is­ten sind reduziert, im Zusam­men­hang mit dem der jew­eili­gen auf­führung­sprak­tis­chen Sit­u­a­tion angepassten Djem­bé-Part (und den mit­tler­weile zahlre­ichen afrikanis­chen Trom­mel­grup­pen im Laien­musik­bere­ich) ist das Werk auch für Aus­führende im gehobe­nen Ama­teursta­tus gut erre­ich- bzw. darstell­bar.

Wolf Kalipp