Klaus Lang

tönendes licht.

Wolfgang Kogert an der Riesen-Orgel (Rieger, 2020) im Stephansdom in Wien; Wiener Symphoniker, Peter Rundel

Verlag/Label: KAIROS 0022056KAI (2025)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/01 , Seite 60

Die Komposition tönendes licht. von Klaus Lang (geboren 1971) entstand im Auftrag des Festivals Wien Modern 2020 und wurde am 19. November desselben Jahres uraufgeführt. Auf der vorliegenden CD mit der beinahe eine Stunde umfassenden Komposition für Orgel und ein im Raum verteiltes Orchester wird diese Aufführung – die coronabedingt ohne Publikum stattfinden musste – publiziert.
Ort der Uraufführung war der Stephansdom in Wien; im Booklet (S. 37) heißt es hierzu: „Die Einweihung der neuen Riesenorgel fand am 4. Oktober 2020 statt, wenige Wochen vor der Uraufführung von tönendes licht.. Die vorliegende Aufnahme ist die erste und bislang einzige der neuen Riesenorgel in Verbindung mit einem großen Orchester.“ Interpreten der Aufführung waren Wolfgang Kogert an der Orgel und die Wiener Symphoniker unter Leitung von Peter Rundel. Für die Aufnahme war der Österreichische Rundfunk verantwortlich.
Die Realisierung der Komposi­tion von Klaus Lang präsentiert sich als ein Klangkontinuum, das von zahlreichen rascheren akustischen Ereignissen durchsetzt ist. Dabei bewegen sich diese Ereignisse in einem weiten Spektrum klangfarblicher Möglichkeiten und reichen von den höchsten spielbaren Tönen bis zur noch gut wahrnehmbaren Basslage (so zumindest auf der CD klingend). Der Verlauf des Stücks bringt außerdem mehrere An- und Abschwellphasen, die als Steigerungen und Zurücknahmen wahrgenommen werden können. Am Ende verschwindet das Stück gleichsam – auf der Orgel gespielte transparente Figurationen verklingen in einem Diminuendo.
In dem ansprechend gestalteten CD-Booklet (engl./dt.) finden sich zwei Partiturfaksimiles, Fotos des Komponisten, der Interpreten und der großen restaurierten Orgel über dem Riesentor bzw. Hauptportal von St. Stephan sowie Texte zur Aufnahme und zu den Mitwirkenden und zur Komposition. Letzterer (ein Nachdruck aus dem Festivalkatalog von Wien Modern 2020) wurde von Klaus Lang selbst verfasst und beschreibt ausführlich die insbesondere von gotischer Architektur ausgehenden Inspirationen, die für die Gestaltung der Komposition tönendes licht. bedeutsam waren. Langs Ästhetik projiziert eine Musik, die allein musikspezifische Elemente in sich trägt und vermittelt; dabei strebt er nach Schönheit und gestalteter Klang-Zeit.
Die Klanglichkeit der auf die Raumakustik von St. Stephan in Wien abgestimmten Komposition und Aufführung von tönendes licht. ist auf dieser CD in einer sehr guten und ansprechenden Qualität aufgenommen. Auch Details wie changierende Klangereignisse, Mikro­bewegungen innerhalb der Klang­felder, Tonüberlagerungen, Schwebungen oder extreme Tiefen und Höhen wirken akustisch unmittelbar – auch wenn man sicher nicht von einer mit dem Vor-Ort-Hör­erlebnis völlig vergleichbaren Rezipierbarkeit ausgehen kann.

Daniela Philippi

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