Markus Epp

Suite of Sunlight

Three Transformative Meditations for Organ

Verlag/Label: 20 Seiten, Strube Edition 3716
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/01 , Seite 58

Wilhelm Kümpel (1920–2000) war Zeit seines Lebens ein Mann der kirchenmusikalischen Praxis. Er kannte nicht nur aus eigener Erfahrung die anspruchsvollen Aufgaben an einer Domkirche, sondern wusste auch um die Anforderungen, wie sie an Kirchenmusiker in der Fläche jenseits der großen Städte gestellt werden. Kümpel, von 1950 bis 1994 Domorganist zu Erfurt, war während dieser Zeit kontinuierlich mit der C- und B-Ausbildung betraut. Womöglich hat ihn diese langjährige Lehrtätigkeit inspiriert, über Jahre hinweg seine 24 „Zwischenspiele“ zu schreiben, die nun gesammelt als 24 Meditationen veröffentlicht wurden – „zum Gebrauch bei der Kommunionausteilung in der katholischen Kirche“, wie He­rausgeber Heinz-Walter Schmitz anmerkt.
Alle Stücke sind leicht ausführbar, verlangen aber weitestgehend ein zweimanualiges Instrument mit selbstständigem Pedal. Eine gut gebaute Dorforgel reicht zur Darstellung völlig aus. Was Kümpel hier komponiert, ist aber alles andere als Dorforgel-Musik, im Gegenteil: Es sind stets sehr inspirierte und ori­ginelle Meditationen ruhigen Charakters, mal tänzerisch in punktierten Rhythmen, mal sanft fließend, klanglich der Sprache der 1950er Jahre zuzuordnen (Quart- und Quintharmonik). Es lohnt, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Ebensolche Quint- und Quartharmonik ist konstitutiv für die Suite of Sunlight von Markus Epp. „Drei transformative Meditationen“ über „Licht und Dunkel, Werden, Vergehen und Neubeginn“ nennt der 1973 geborene Berliner Komponist und Organist seine über weite Stre­cken deskriptive, bildhaft wirkende Musik. So schlägt der erste Satz („Sunset“) einen Bogen von der gleißenden Mittagssonne über den Einbruch der Dämmerung bis hin zu sanften, aufsteigenden Flötentönen, die den schimmernden Mond beschreiben. Letzterer bekommt mit dem zweiten Satz sein eigenes Porträt („Clair de lune“). Kompositorische Mittel sind hier ausdrucksvolle Melodiebögen, unterlegt mit einer gleichbleibenden Achtel-Bewegung und unterbrochen von Arpeggien der Streicherschwebung („Celeste“). Wolken verschleiern das Mondlicht dank Zwei-gegen-Drei (Achteltriolen gegen durchlaufende Achtel), was immer ein zielführendes Rezept ist. Konsequent beginnt der dritte Satz („Sunrise“) ganz verhalten und unwirklich im Morgennebel. Hat dieser sich aufgelöst, kennt die Musik nur noch eine Richtung: die nach oben zum strahlenden Licht!
Alles in allem eine wirkungsvolle Reise zu Sonne, Mond – ohne Sterne. Spieltechnisch stellt Markus Epps Partitur durchaus Ansprüche, die aber nach einigem Üben (viel Lesearbeit wegen vieler Vorzeichen im laufenden Notentext) gut zu erfüllen sind. Kreativität ist angesagt bei der Realisierung auf der jeweils vorhandenen Orgel, wobei Epp selbst laut Vorwort das Klangideal der angloamerikanischen Orgelbautradition favorisiert, was seiner Musik durchaus gut bekommt. Registrierungsangaben sind eher spärlich, Hinweise zur Dynamik dagegen häufig. Wie man im Einzelfall registriert, das überlässt der Komponist offensichtlich vertrauensvoll der Fantasie der Interpreten.

Christoph Schulte im Walde

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