Jörg Widmann

Variationen über ,El cant dels ocells‘ [Der Gesang der Vögel] (2022)

Fantasie für Chor und Orgel

Verlag/Label: 39 Seiten, Schott Music, SKR 19016
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/01 , Seite 57

… Ein äußerst vielseitiger Künstler ist auch der 1973 in München gebo­rene Jörg Widmann. Er vollbringt unter anderem das Kunststück, sowohl als Klarinettist als auch als Dirigent und Komponist auf gleichermaßen hohem Niveau unterwegs zu sein. Widmann, der an der Freiburger Musikhochschule zeitweise gleichzeitig (!) eine Professur für Klarinette und Komposition innehatte und zurzeit eine Kompositionsprofessur an der Barenboim-Said-Akademie in Berlin bekleidet, widmet sich in seinem kompositorischen Schaffen Gattungen unterschiedlichster Couleur.
Seine Fantasie Variacions sobre ‚El cant dels ocells‘ für Chor und Orgel basiert auf einem alten katalanischen Volkslied, in welchem mehr als 30 Vogelarten die Geburt Christi feiern. Das gut eine Viertelstunde dauernde Stück ist ein Auftragswerk für den Palau de la Música Catalana in Barcelona mit seiner großen Walcker-Orgel und den dort ansässigen Chor „Orfeó Català“. Das Werk ist ein beeindruckendes, farbenprächtiges und stellenweise symphonisch anmutendes Klanggemälde mit bis zur Elfstimmigkeit aufgefächertem Chor, mit bis zu dreistimmiger Sopran-Solo-Partie (in der obersten Stimme bis zum d3, im Chor immerhin bis zum h2 geführt) und in Kombination mit einem stre­ckenweise anspruchsvollen und virtuosen Orgelpart. Die Tonsprache ist gemäßigt modern. Vordergründig einfachere Passagen im Chor werden durch den beigefügten Orgelpart klanglich angeschärft und somit schwieriger.
Zur Ausführung braucht es neben einer versierten Orgelbegleitung ein sehr erfahrenes, gut besetztes Ensemble, um die nötigen dynamischen und stimmlichen Anforderungen meistern zu können. Dazu kommt, dass die Partitur keine Alternative zur Originalsprache bereithält, was auch nachvollziehbar ist. Wenn man bereit ist, sich auf die vokalen und sprachlichen Herausforderungen einzulassen, bietet Jörg Widmanns opulentes Werk eine reizvolle Alternative zu ausgetretenen Programmpfaden, z. B. in der Weihnachtszeit.

Christian von Blohn

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