Giovanni Paolo Cima
Ricercari & Canzoni alla francese
Federico del Sordo an der Meiarini-Orgel in S. Maria del Carmine in Brescia und am Cembalo
Beste Wertung: 5 von 5 Orgelpfeifen!
Selbst als großer Freund Alter Musik lege ich anthologische Aufnahmen nur selten mehrmals ein, auch wenn sie das Repertoire erweitern – diese CD aber schon: Federico del Sordo, bereits mehrfach mit vorzüglichen Einspielungen italienischer Tastenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts hervorgetreten, spielt die kontrapunktisch ausgefeilten Ricercari mit Akkuratesse, dennoch unakademisch mit passenden Spannungsbögen. Die leichtfüßigen Canzoni alla francese, auf Liedmotive zurückgehende allegorische Charakterstücke, erklingen geradezu heiter.
Entnommen sind diese Preziosen der 1606 einer adeligen Nonne gewidmeten Sammlung gleichen Titels, die jedoch erst einige Jahre später als Druck erschien. Der heute wohl nur noch wenigen bekannte Komponist Giovanni Paolo Cima (1570–1630) wirkte an San Celso in Mailand und schrieb vorwiegend vokale und instrumentale Kirchenmusik, deren Besetzung – wie damals üblich – nicht festgelegt war. Er bzw. seine Verleger bedienten sich der neuen Notationsform in mehreren Systemen: Im Gegensatz zu Tabulaturen ermöglichte dies sowohl Bearbeitern als auch Interpreten, alle Stimmen synchron in grafischer Darstellung zu überblicken. Von seinen Zeitgenossen war Cima sehr geschätzt, wie unter anderem Adriano Banchieri vermerkt.
Die verwendete Orgel wurde 1629/30 von Tomaso Meiarini erbaut und 1633 durch Graziadio Antegnati [III?] in der Kirche San Maria del Carmine in Brescia aufgestellt. Trotz Veränderungen im 19. Jahrhundert repräsentiert sie dank mehrerer Restaurierungen (zuletzt 1991 durch Mascioni) mustergültig den hochentwickelten Orgelbau Norditaliens jener Zeit. Mit dem typischen Registerfundus und dem Tonumfang F1–c3 ist sie für die Musik dieser Epoche wie geschaffen und klingt einfach wunderbar.
Gut ausgewählt ist auch das leicht „topfig“ klingende Cembalo von Roberto Marioni nach einem italienischen Vorbild des 17. Jahrhunderts. – Nicht ganz so überzeugend sind die durch viele Einschübe etwas sperrigen englischen Texte im Beiheft, was jedoch kaum ins Gewicht fällt.
Schließlich regt diese schöne und bereichernde Einspielung dazu an, manche der Ricercari und Canzoni in Konzerten oder auch im Gottesdienst zu verwenden. Anders als viele Werke dieses Repertoires sind sie nicht zwingend für den liturgischen Alternatim-Gebrauch gedacht; einige Incipits passen jedoch in ihrer Motivik zu bekannten Kirchenliedern, so die abschließende Ricercar del quinto tono. Voraussetzung für einen „guten Effect“ sind eine ungleichstufige Temperierung und vor allem ein sensibles Spiel „alla Federico del Sordo“.
Markus Zimmermann


