Radio-Tipp: 150 Jahre Louis Vierne

Deutsch­land­funk, Dien­stag, 27. Okto­ber 2020, 22.05 Uhr, Musik­szene
Tod an der Orgel – 150 Jahre Louis Vierne. Von Maria Gnann
Ein einziger Ped­al­ton hing noch in der Luft, als Louis Vierne am 2. Juni 1937 am Spieltisch „sein­er“ Orgel zusam­men­brach und starb. 37 Jahre hat­te er das Cavail­lé-Coll-Instru­ment in der Paris­er Notre-Dame-Kirche beherrscht – tech­nisch per­fekt und hochvir­tu­os – und darauf anspruchsvolle, düster-chro­ma­tis­che Werke geschaf­fen, die bis heute zur Aus­bil­dung am Pfeifenin­stru­ment dazuge­hören. Kobold­haft funkel­nde Scherzi prä­gen seine Orgelsin­fonien, aber auch ein zunehmend schw­er­mütiger Ton­fall. Ab 1906 erlebte der Kom­pon­ist eine „pure Aneinan­der­rei­hung von Katas­tro­phen“: Er brach sich das Bein und erkrank­te an Typhus. Seine Frau ver­ließ ihn, sein Sohn wurde erschossen, sein Brud­er von ein­er Granate getötet. Und Viernes gesamtes Ver­mö­gen ver­sick­erte ab 1916 in einem Schweiz­er Sana­to­ri­um, in dem er sich mehrere Jahre wegen seines Augen­lei­dens aufhal­ten musste. An Grauem Star litt Vierne seit sein­er Geburt am 8. Okto­ber 1870. Heute, 150 Jahre später, wird noch immer an sein Leben und Werk erin­nert, zum Beispiel von Olivi­er Latry, dem jet­zi­gen Tit­u­laror­gan­is­ten von Notre-Dame, der in dieser Sendung zu Wort kommt.