Das Sorabji-Projekt in der Elbphilharmonie

Achtein­halb Stun­den Spiel­d­auer. 300 A3-Seit­en Noten­pa­pi­er. Schwierigkeits­grad: unspiel­bar. Wer sich Orgel­w­erke wie die Zweite Orgelsin­fonie (1929–32) des par­sisch-britis­chen Kom­pon­is­ten Kaikhos­ru Sha­pur­ji Sorab­ji (1892–1988) frei­willig vorn­immt, ist entwed­er wahnsin­nig – oder wahnsin­nig gut. Defin­i­tiv Let­zteres trifft auf den britis­chen Organ­is­ten Kevin Bowyer zu (Foto: Lin­da Fullar­ton). Er sei „ein­er der kühn­sten und beein­druck­end­sten Vir­tu­osen der Welt“, schreibt Jonathan Wearn in MusicWeb Inter­na­tion­al; für „unver­wech­sel­bar“ hält ihn die Zeitschrift Gramo­phone. Bowyer nimmt eine beson­dere Stel­lung unter den besten Organ­is­ten der Zeit ein. In spek­takulären Konz­erten bezwingt er Werke, die als tech­nisch enorm anspruchsvoll oder sog­ar als unspiel­bar gel­ten – allen voran die Stücke Kaikhos­ru Sorab­jis. Im Großen Saal der Elbphil­har­monie (Foto: Gil­da Fer­nan­dez) präsen­tiert er nun am Son­ntag, den 15. Sep­tem­ber 2019 Sorab­jis Mam­mut­musik­stück. Ein XXL-Sounder­leb­nis in zwei Teilen, das die enorme tech­nis­che und klan­gliche Pow­er der Elbphil­har­monie-Orgel voll zur Gel­tung bringt.

Die Orgel der Elbphil­har­monie ist ca. 15 × 15 Meter groß und wiegt etwa 25 Ton­nen. Sie beste­ht aus 4.765 Pfeifen, deren Länge von ger­ade einem Zen­time­ter bis zu zehn Metern reicht. Sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe kann die Orgel damit Töne an der Gren­ze des Hör­baren erzeu­gen; beson­ders in der Tiefe kann man sie mehr fühlen als hören. 380 Pfeifen sind aus Holz gefer­tigt, die übri­gen aus unter­schiedlichen Zinnlegierun­gen. Pro Minute rauschen bis zu 180 Kubik­me­ter Wind hin­durch – das Vol­u­men ein­er 60-Quadrat­meter-Woh­nung mit drei Meter hohen Deck­en. Ins­ge­samt haben an dem Instru­ment 45 Orgel­bauer über 25.000 Stun­den gear­beit­et.